Aromatische Neuigkeiten aus dem Aroma-Garten

Weihrauch

(Boswellia)

Weihrauch ist das getrocknete Gummiharz, das aus den Weihrauchbäumen (Boswellia oder Olibanum) gewonnen wird. Dieser Baum gehört zur Familie der Balsambaumgewächse und ist eine tropische Baumpflanze, die mehr als 300 Arten umfasst. Der Baum blüht im Frühjahr weiß und bringt in weiterer Folge runde Steinfrüchte hervor. Boswellien wachsen unter extremen klimatischen Bedingungen und auf steinigen Böden mit besonderen mineralischen Zusammensetzungen. Wegen der extremen Trockenheit stehen die Bäume oft weit auseinander um mit ihren flachen Wurzeln das karge Regenwasser aufnehmen zu können.
Anders als bei heimischen Nadelbäumen sondert der Weihrauchbaum nicht nur bei Verletzungen das Harz ab, sondern scheidet den Balsam in kleinen Mengen von selbst aus. Dies geschieht durch besondere Kanäle, in denen der Balsam gespeichert und in sehr kleinen Mengen abgegeben wird. Zur Erntezeit wird die Rinde abgeschabt und Einschnitte an den Stämmen angebracht. Aus diesen Verletzungen tritt eine milchige, klebrige Flüssigkeit aus, die an der Sonne getrocknet wird. Es bedarf mehrerer Arbeitsgänge um ein hochwertiges Harz zu gewinnen. Das erste, minderwertige Harz wurde früher nicht verwendet, mittlerweile wird es vermarktet. Mit dem dritten Sekret wird einmal wöchentlich geerntet. Die Ernte bei einem Baum von mittlerer Größe beträgt ca. 500 g. Je nach Baum und Wachstumsbedingungen gibt es verschiedene Harzsorten und Düfte. Die Farbpalette reicht von transparent bis rötlich und bräunlich-gelb. Wenn der Sommer sich dem Ende zuneigt, fließt auch immer weniger Balsam aus den Wunden des Baumes. Ein bis zwei Jahre darf der Weihrauchbaum nun ruhen, um zu Kräften zu kommen.

Weihrauchbäume wachsen in drei Regionen: im Jemen und Oman Boswellia Sacra, in Äthiopien, Eritrea und Somalia wächst Boswellia carteri und in Ostindien der Boswellia serrata. Der in Südarabien geerntete Weihrauch verströmt einen besonderen Duft und zählt zu den kostbarsten Sorten. Das ostindische Harz (Salai guggal, Salai guggul) wird vorwiegend im medizinischen Bereich verwendet, obwohl laut Literatur der südarabische Weihrauch mehr Boswelliasäure enthält, als der indische.
Bisher wurden im Harz des Weihrauchbaums mehr als 200 verschiedenen Substanzen gefunden. So z.B. bis zu 70 % Harz, 4-8 % ätherisches Öl, ca. 20 % Bitter und Schleimstoffe und 5- 8 % Boswelliasäuren. Dieser Wirkstoff ist aus gesundheitlicher Sicht der wertvollste Inhaltstoff. Ein weiterer erwähnenswerter Inhaltsstoff ist Incensol, ein Duftstoff, der beim Räuchern das Gehirn stimuliert und beruhigend wirkt.

Die besondere Wirkung von Weihrauch auf Körper, Geist und Seele wurde schon im Altertum hoch geschätzt. In Ägypten wurden die Verstorbenen mit Weihrauchsekret einbalsamiert und mumifiziert. Zu dieser Zeit wurde dem Harz die Kraft nachgesagt, Tod und Dämonen zu bannen und wurde wahrscheinlich deshalb sehr viel verwendet. Auch wurde Weihrauch galt als Schweiß der Götter verehrt, eine heilende und heilige Materie. Im 16. Jhdt. v.Chr. wurde im Papyrus Ebers zerstampfter Weihrauch mit Honig vermengt als Heilmittel genannt. In China gab es Rezepte mit Weihrauch, die bei diversen Erkrankungen eingesetzt wurden. Hippokrates verwendete das Harz als Salbe bei Frostbeulen, Warzen und Brandverletzungen. Aber auch bei Erkrankungen der Atemwege wurde Weihrauch bereits eingesetzt. Die Liste der Anwendungen im Altertum ist sehr lange, woran man sieht, wie geschätzt und begehrt das Harz bereits in diesen Zeiten war. Genannt werden soll auch die berühmte Weihrauchstraße, die den Orient mit dem Okzident verband. Auf den ca. 3400 km wurde das kostbare Gummiharz über Südarabien bis zu den Häfen am Mittelmeer transportiert und gelangte von dort auf dem Seeweg nach Mitteleuropa.
Hildegard von Bingen verwendete Weihrauch in Keksen, um „den üblen Qualm, der das Gehirn und Gehör des Menschen auslöscht“ zu vertreiben. An den Keksen sollte so oft als möglich gerochen werden, denn „der Duft macht dich stark und klärt deine Augen und füllt dein Gehirn auf“. Bei ihr galt Weihrauch als Mittel, um das Gedächtnis zu stärken und anzuregen.
Paracelsus verwendete neben Gold auch Weihrauch zu Heilung; vom persischen Arzt Avicenna wurde Weihrauch ebenfalls zur Stärkung des Gedächtnisses und einer Vielzahl anderer Erkrankungen empfohlen. Bei Lungenleiden, Husten, Bronchitis, aber auch bei Magen-Darm Problemen wie Durchfall, Magenschmerzen und der roten Ruhr wurde Weihrauch eingesetzt.
Bis zum Ende des Mittelalters war das Harz ein wichtiges Heilmittel. Leider geriet es in weiterer Folge in Vergessenheit und neue Medizin wurde erprobt. Mitte der 80er Jahre wurde das Interesse an Weihrauch wieder geweckt. Der Pharmakologe Prof. Philipp Theodor Ammon brachte Weihrauch von einer Studienreise in Indien mit. Aufgrund seiner Empfehlungen wurden die Inhaltsstoffe genaueren Untersuchungen unterzogen und man stellte fest, dass die im Harz enthaltenen Boswelliasäuren entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Es hat sich gezeigt, dass nicht alle Boswelliasäuren gleich wirken. In einer Studie aus 2012 haben Forscher von der Universität Jena das Harz verschiedener Sorten auf ihre entzündungshemmenden Eigenschaften untersucht. Es kam dabei heraus, dass die bekannteste und am häufigsten eingesetzte Weihrauchart Boswellia serrata einen nicht so hohen Anteil an Boswelliasäure enthält, wie allgemein angenommen. „Das Harz von Boswellia papyrifera, das in Äthiopien, Somalia und auf der arabischen Halbinsel vorkommt, ist um den Faktor zehn wirksamer“.

Während sich die westliche medizinische Forschung hauptsächlich mit dem isolierten Wirkstoff der Boswelliasäuren beschäftigt, sieht die ayurvedische Medizin das Harz als Gesamtheit, als Zusammenspiel vieler Substanzen, welche die Wirkung ergeben. Die heute am Markt erhältlichen Weihrauchkapseln sind oft mit einem Harzextrakt mit einem standardisierten Anteil an Boswelliasäuren gefüllt.

Boswelliasäuren werden bei chronischen Entzündungen, Rheuma, Arthritis, entzündlichen Prozessen des Bewegungsapparates eingesetzt. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Weihrauch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gut wirksam ist. Die Untersuchungen ergaben, dass die Patienten weniger Bauchkrämpfe, weniger Durchfälle und ein besseres Allgemeinbefinden hatten. Durch Stress, Ernährungsfehler und Umweltfaktoren nehmen Entzündungen der Darmschleimhäute stark zu. Vor allem durch das Leaky-Gut-Syndrom (durchlässiger Darm) kann die so wichtige Barriere im Darm beeinträchtigt werden. Der Darm kann damit seine komplexen Aufgaben nicht mehr richtig erfüllen und gerät aus dem Gleichgewicht. Schädliche Bakterien und Pilze können sich rasend vermehren, Vitamine und Mineralstoffe können nicht ausreichend aufgenommen werden, was wiederum Folgen für unser Immunsystem hat. Weihrauch soll die Regeneration der Darmflora unterstützen!
Mittlerweile gibt es Studien zur Anwendung von Weihrauch gegen Krebs. 2009 wurde eine Studie zu Blasenkrebs publiziert, die ergeben hat, dass Weihrauch in der Lage ist, zwischen gesunden und Krebszellen zu unterscheiden und die Ausbreitung von Krebszellen zu verhindern. Nebenwirkungen bei der Strahlentherapie von Gehirntumoren sind oftmals Ödeme. Wissenschaftler untersuchen die Wirkung von Boswellia serrata auf Wasseransammlungen, die mit einigen Formen von Gehirntumoren einhergehen und stellten fest, dass bei 60 % das Gehirnödem zurückging.
Studien zur Anwendung von Weihrauch bei MS Erkrankungen fallen ebenfalls positiv aus.

Ätherisches Weihrauchöl hat eine entspannende Wirkung auf unseren Körper und unseren Geist. Der Duft kann Niedergeschlagenheit, Ängste und Depressionen mindern. Der Geist wird aktiviert und macht wach. Weihrauchöl ist ein beliebter Duft für die Meditation – es öffnet den Geist, wodurch neue Ideen entstehen können.
Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation des Harzes gewonnen. Weihrauchöl riecht kräftig, würzig und sehr angenehm. Das ätherische Öl enthält keine bzw. nur geringe Mengen an Boswelliasäuren, deshalb wirkt es nicht antitumoral, wie vor einigen Jahren noch gelehrt wurde. Dadurch wird für mich auch die oftmals angeführte entzündungshemmende Eigenschaft des ätherischen Öls in Frage gestellt.

Anwendungsgebiete von ätherischem Weihrauchöl
• Stimmungsaufhellend
• Nervöse Stimmungen
• Schwangerschaftsstreifen
• Narben, Wunden
• Reife Haut

Das seltene Öl aus Eritrea besteht zu 55 % aus Estern und nur zu 5 % aus Monoterpenen. Quelle: „Eliane Zimmermann Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, 6. Auflage“

Nebenwirkungen des ätherischen Öls:
Bei Überdosierung kann es bei empfindlichen Menschen zu Benommenheit führen*, ansonsten ein gut verträgliches Öl.
*Es sollen manchmal Spuren von THC enthalten sein, dadurch können empfindliche Menschen leicht benommen werden. Quelle: „Eliane Zimmermann Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, 6.Auflage“

Weihrauchbalsam
Ca. 5 g Weihrauchharz
50 ml Olivenöl
80 g Sheabutter/Kakaobutter
Weihrauch im Mörser zerreiben und im Olivenöl bei geringer Temperatur ausziehen lassen. (Das kann Stunden dauern!) Über Nacht stehen lassen und am nächsten Tag durch ein Sieb oder Tuch gießen. Im Öl 80 g Sheabutter oder Kakaobutter auflösen und – wenn erwünscht – einige Tropfen Neroli- oder Rosenöl dazugeben.

Gesichtsöl nach Tisserand
Ca. 30 g Aprikosenkernöl
4 Tr. Weihrauch
3 Tr. Geranie
4 Tr. Lavendel
Alles Zutaten zusammenmischen und als Gesichtspflege für die Nacht verwenden!

Raumbeduftung
3 Tropfen Weihrauch
3 Tropfen Rose

Raumbeduftung in Erkältungszeiten
1 Tr. Weihrauch
1 Tr. Thymian Ct. Linalool
2 Tr. Mandarine rot
2 Tr. Eukalyptus staigeriana

oder als Brustöl in 30 ml fettem Öl. Auf Brust und Rücken auftragen.

Anti-Entzündungs-Cocktail (nach einem Rezept von Dr.David Jockers – Artikel „The super herb boswellia – de-inflame an heal“)
1 Tasse Bio-Kokosmilch
1 Tasse Schwarzbeeren
1 -2 EL Molkeprotein
1 EL Leinsamen gemahlen
1 EL Kurkuma
1 EL Boswellia
1 EL Zimt
1 EL Ashwaghanda
1 Prise Salz

Boswellia wird in Kombination mit anderen Nahrungsmitteln besser aufgenommen!

Vorgenannte Tipps dienen nicht zur Behandlung von Krankheiten, sondern lediglich dazu, das Wohlbefinden zu steigern. Laufende Behandlungen beim Arzt und die Einnahme von Medikamenten dürfen nicht abgesetzt werden.

Quellenangaben:
Eliane Zimmermann, „Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe“;
Brigitte Hamann, „Gold, Weihrauch und Myrrhe“, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19296830;
https://freidok.uni-freiburg.de/data/7945; www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19296830

News Nachlese: September (öffnet ein eigenes Fenster)

 

 

Weihrauch



 

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